Die Wortmeldungen der Amphibienlistenteilnehmer vom Dezember 2001

#1. Umsiedelung von Feuersalamandern? - von Ulrike Geise
#2. Re: Amphibientagung in Starnberg - von Ulrike Geise
#3. Re: Umsiedelung von Feuersalamandern? - von Christopher Schwerdt
#4. Re: Umsiedelung von Feuersalamandern? - von Burkhard Thiesmeier
#5. Neuanlage einer Auenlandschaft - von Wieser Bernard
#6. Re: Neuanlage einer Auenlandschaft - von ingo
#7. Re: Neuanlage einer Auenlandschaft - von Wieser Bernard
#8. Re: Neuanlage einer Auenlandschaft - von ingo
#9. Re: Neuanlage einer Auenlandschaft - von Andreas Meyer-Aurich
#10. Re: Neuanlage einer Auenlandschaft - von Wieser Bernard
#11. Re: Neuanlage einer Auenlandschaft - von Wieser Bernard
#12. Sylvesterparty in Stopfenreuth, 31.12.2001 - von floravista
#13. Re: Neuanlage einer Auenlandschaft - von ingo
#14. Re: Neuanlage einer Auenlandschaft - von Wieser Bernard

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#1. Umsiedelung von Feuersalamandern? - von Ulrike Geise
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Date: Sat, 01 Dec 2001 von: Ulrike.Geise%entferne%@t-online.de (Ulrike Geise) Subject: Umsiedelung von Feuersalamandern? Hallo, ich weiß, die Frage ist irgendwie seltsam, aber ich soll trotzdem dazu was schreiben - also: Gibt es Erfahrungen zur Umsiedelung oder Neuansiedelung von Feuersalamandern? Fällt dazu jemandem etwas ein? Ich wäre für Antworten wirklich dankbar! Ulrike

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#2. Amphibientagung in Starnberg - von Ulrike Geise
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Date: Sun, 02 Dec 2001 von: Ulrike.Geise%entferne%@t-online.de (Ulrike Geise) Subject: Re: Amphibientagung in Starnberg Liebe Amphibienfreunde und -interessenten, Hiermit möchte ich alle Interessierten für den 23.2. nach Starnberg einladen. Das Programm ist in der Anlage nachzulesen, ebenso Anmeldung und dergleichen mehr. Ulrike > Mit Kopf, Herz & Gummistiefeln Praktischer Amphibienschutz im BN 23. Februar 2002 I N H A L T Mit Kopf, Herz und Gummistiefeln retten mehrere hun-dert Gruppen des Bundes Naturschutz jedes Jahr mit großem Engagement und hohem Zeitaufwand Amphibien. Baulastträger investieren bis zu siebenstellige Summen für Schutzmaßnahmen. Verbände, Behörden oder Kommunen schaffen neue Gewäs-ser- mit dem zusätzlichen Ziel Amphibienpopulationen zu stabilisieren und zu stärken. Aber ist das alles ausreichend? Besonders in den weniger amphibienfreundlichen Regio-nen sind die Bestände aller Arten rückläufig. Können wir mit den bisherigen Methoden unsere Amphi-bien noch retten? Welche Verbesserungsmöglichkeiten gibt es für die nächsten Jahre? Und reicht der Schutz "vor unserer Haustür" vor dem Hintergrund eines weltweiten Amphibiensterbens? Die Referenten geben einen landes-, bundesweiten und auch internationalen Überblick über die unterschiedli-chen Aktivitäten. Die Kombination von wissenschaftlichen, freiberufli-chen und behördlichen Erkenntnissen im praxisnahen Amphibienschutz bietet ein breites Wissensspektrum. Dieses Seminar soll helfen, Praxisprobleme zu lösen und zur Diskussion über unsere langfristigen Ziele sowie zum Erfahrungsaustausch anregen. Zielgruppe Alle ehrenamtlichen Amphibienfreunde der BN- Orts- und Kreisgruppen, freiberuflich oder behördlich engagierte Amphibienspezialisten und alle, die mithelfen wollen, unseren Amphibien auch zukünftig Existenzmöglichkeiten zu erhalten. Leitung Dr. Kai Frobel Dipl. Geoökologe, Referent für Arten- und Biotopschutz, Landesfachgeschäftsstelle des Bund Naturschutz in Bayern e.V., Nürnberg Ulrike Geise Dipl. Biologin, Regionalberaterin, Mitar-beiterin im BN AK-Artenschutz, Büro Geise & Partner, Prosselsheim ReferentInnen Dr. Ulmar Grafe Dipl. Biologe, Institut für Tierökolo-gie und Tropenbiologie, Universität Würzburg Günter Hansbauer Dipl. Ing. Landespflege, Artenschutz-referent beim Bayerischen Landesamt für Umweltschutz Bayern, Augsburg Hubert Laufer Arbeitsgruppe Amphibien- und Reptilien-biotopschutz Baden-Württemberg (ABS), Büro für Land-schaftsökologie Laufer, Offenburg Reinhold Schäfer Dipl. Ing. Landschaftspflege, Bund-Länderarbeitskreis für Amphibienschutz des Bundesver-kehrsministers, Straßenbauamt Regensburg P R O G R A M M Samstag, den 6. Mai 2000 10.00 Uhr Dr. Kai Frobel Begrüßung Amphibienschutz in uniformierter Landschaft? 10.30 Uhr Dr. Ulmar Grafe Weltweiter Artenschwund - globale und lokale Ursachen Möglichkeiten und Ziele der Declining Amphibian Populations Task Force 11.15 Uhr Pause 11.45 Uhr Günter Hansbauer Amphibienschutz in Bayern Kartierungsstand, Defizite, Zu-kunftspläne 12.30 Uhr Mittagspause 14.00 Uhr Ulrike Geise Ein sicheres Netz? Monitoring von Gelbbauchunken und Kammmolchen in FFH Gebieten 14.45 Uhr Reinhold Schäfer Amphibienschutz bei der staatlichen Straßenbauverwaltung 15.30 Uhr Pause 16.00 Uhr Hubert Laufer Ist der derzeitige Amphibienschutz noch zeitgemäß? 16.45 Uhr Offene Diskussion Konsequenzen für den Amphibien-schutz des BN 17.30 Uhr Ende des Seminars O R G A N I S A T I O N Tagungsort Das Seminar findet in Starnberg im Undosa Seerestau-rant -Seepromenade 1 - 82391 Starnberg - Tel. 0 81 51 / 99 89 3-0 statt. Der umseitigen Skizze können Sie die Lage des Tagungsortes in der Nähe des Bahnhofes entnehmen. Veranstalter Bildungswerk des Bund Naturschutz in Bayern e.V. in Kooperation mit der Ökostation Wartaweil. Anmeldung Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Anmeldungen bis spätestens 18. Februar 2002 an das Bildungswerk des Bund Naturschutz in Bayern e.V. Postfach 40, 94343 Wiesenfelden Telefon (099 66) 12 70 oder 777 Telefax (099 66) 490 e-mail: bw%entferne%@bund-naturschutz.de www.bn-bildungswerk.de Bitte melden Sie sich frühzeitig an. Sie erleichtern damit unsere Planungen. Falls Sie sich entschließen, Ihre Anmeldung wieder zurückzuziehen, bitten wir Sie, uns bis spätestens 2 Tage vor dem Seminar Bescheid zu geben. Tagungsbeitrag Der Tagungsbeitrag beträgt EUR 45,00 (ermäßigt für BN-/BUND-Mitglieder EUR 40,00). Darin sind die Kursgebühr und die Kosten für das Mit-tagessen (2-Gang Menü zur Wahl) sowie Kaffee, Tee und Tagungsgetränke während der Pausen enthalten. Der Tagungsbeitrag ist zeitgleich mit der Anmeldung auf das Konto des BN-Bildungswerks, Nr. 0224308 bei der Raiffeisenbank Rattiszell eG, BLZ 743 691 46, zu über-weisen. Unter Verwendungszweck bitte angeben: Amphibienschutz, 2-7 und Ihre(n) Name(n). Reise-, Übernachtungs- und sonstige Verpflegungskosten tragen die Teilnehmer selbst. Anreise mit der Bahn Von München aus weiter mit der S-Bahn Linie S6 Richtung Gauting über Tutzing, Feldafing, Possenhofen nach Starnberg. Wir freuen uns auf Ihr Kommen, wünschen Ihnen eine gute Anreise und einen spannenden und ange-nehmen Seminarverlauf.

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#3. Re: Umsiedelung von Feuersalamandern? - von Christopher Schwerdt
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Date: Sat, 3 May 2003 von: NAJUAltena%entferne%@t-online.de (Christopher Schwerdt) Subject: Re: Umsiedelung von Feuersalamandern? Meiner Meinung nach ist das beim Feuersalamander zumindest bei adulten Tieren absolut ausichtslos. viele Grüsse, Christopher

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#4. Re: Umsiedelung von Feuersalamandern? - von Burkhard Thiesmeier
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Date: Mon, 03 Dec 2001 von: Burkhard Thiesmeier <thiesmeier%entferne%@cityweb.de> Subject: Re: Umsiedelung von Feuersalamandern? Meines Wissens gibt es zu diesem Thema bisher keine praktischen Erfahrungen. Nach meiner Einschätzung dürfte sowohl die Umsiedlung adulter Tiere als auch die von Larven mit vielen Fragezeichen versehen sein und einer äußerst sorgfältigen Vorplanung bedürfen. Sollte die Maßnahme nicht zu vermeiden sein (d. h. der Lebensraum wird definitiv vollständig zerstört), sollte für das Projekt unbedingt eine Effizienzkontrolle verlangt und eingebaut werden, die über das individuelle Zeichnungsmuster adulter Salamander möglich ist. Viele Grüße B.T. -- Absender: Dr. Burkhard Thiesmeier http://www.laurenti.de Am Born 11 D-44894 Bochum Tel.: 0234/309309 Fax: 0234/309312 E-Mail: thiesmeier%entferne%@cityweb.de

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#5. Neuanlage einer Auenlandschaft - von Wieser Bernard 
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Date: Thu, 13 Dec 2001 von: "Wieser Bernard " <bernard.wieser%entferne%@utanet.at> Subject: Neuanlage einer Auenlandschaft Nach einer gelungenen Spendenaktion, konnten wir im Dezember eine äußerst teure landwirtschaftliche Fläche zwischen hart regulierter Raab und ihren Altarmen ankaufen. Insgesamt 5,2 ha stehen nur für die Revitalisierung zur Verfügung. Vorhanden ist ein etwa 2 km langes zusammenhängendes Altarmsystem mit Anbindung an den Fluß. Der Bewuchs ist stark beeinträchtigt. Die Fläche liegt im Tieflandflußabschnitt und wurde seit Jahrzehnten zur Maisproduktion genutzt. Eine schwache Amphibienwanderstrecke mit ca. 500 Tieren (Erdkröte>Springfrosch>Grasfrosch>Teichmolch>Wasserfrösche) (? Wechselkröte, Laubfrosch) aus einem ca. 700m entfernten Waldabschnitt wird seit 2 Jahren von uns betreut. Die Böden des von uns erstandene Grundstückes sind sandig mit einer undurchlässigen Schicht in ca. 1 m Tiefe. Der Abstand zum Normalwasserspiegel beträgt ca. 2,5 bis 3 m. Unser Ziel ist es, den Auwaldbereich zu vergrößern (ca. 1,5 ha) und die Fläche wieder in eine Streuwiese zurückzuführen. Das Streuwiesensamenpotential erhalten wir über Heutransporte aus dem ungefähr 15 km entfernt liegenden ungarischen Abschnitt des Raabtales. Zur Vorbereitung der Fläche auf diese Heutech-mahd gedenken wir einen Anbau von einjährigen Getreide, das Abernten dieses Getreidegutes, das Stehen lassen des Stoppelfeldes und die Aufbringung der Heutech-mahd in drei verschiedenen Erntezeiträumen Juli, August und September um möglichst viel verschiedenes, in der Gegend weit und breit nicht mehr vorhandenes Samengut, einzubringen. zusätzlich sollen Hecken und Einzelbäume diese Fläche ergänzen und kleine Hügel und Gräben geschaffen werden um möglichst strukturiertes Gelände zu erreichen. Auch an eine Anlage eines Himmel (Regen-)teiches ist gedacht, der bis zur Abpackschicht gegraben wird. Mit Altholz soll dann für Unterschlupf gesorgt werden. Der Großteil der Wiese soll jedoch periodisch gemähd werden. Dies zu einem späten Zeitpunkt im Jahr und nicht alles in einem jahr, sondern Teilflächen auf mehrere Jahre verteilt. Für die Mahd steht ein Pferdehalter zur Verfügung. Unsere größte Sorge ist das Ackerbeikraut. Neophyten, wie Hühnerhirse, Borstenhirse usw., bedecken diese Brachefelder aufgrund des jahrelang angesammelten Samenmaterials im Boden zu hundert Prozent. Daher glauben wir nicht so recht daran, daß die Samen seltener Streuewiesenpflanzen überhaupt gedeihen können. Wenn jemand schon Erfahrungen mit Revitalisierung von Auböden hat bitte ich um Kommentare.

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#6. Re: Neuanlage einer Auenlandschaft - von ingo
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Date: Fri, 14 Dec 2001 von: Ingo.Brandt%entferne%@t-online.de (ingo) Subject: Re: Neuanlage einer Auenlandschaft Hallo, um die Ackerbegleitflora braucht ihr euch bei einer Wiesennutzung keine Gedanken machen, weil die sehr schnell durch schnittunempfindlichere Arten verdrängt wird, dies um so mehr, wenn ihr in den ersten 2 Jahren erstmal intensiv mäht, d.h. bei einer gut gedüngten Auenwiese 3 Schnitte im Jahr. Auch sollte bei vorheriger Ackernutzung erstmal eine Aushagerung der Fläche stattfinden, bevor ihr das wertvolle artenreiche Heu ausbringt. Mäht doch zuerst einfach das, was dort wächst, bis es sich wiesenartig entwickelt. Wichtig ist immer der Abtransport des Mähgutes, um wirlich Nährstoffentzug zu betreiben. Wenn dann eine offene Vegetation mit viel offenem Boden übrig bleibt, kommt Ihr mit dem Heudrusch! Gruß Ingo Brandt Botanischer Verein zu Hamburg Eppendorfer Weg 119 20259 Hamburg Tel.: + 49 (40) 491 29 40 Fax: + 49 (40) 40 17 12 17 e-Mail: Ingo. Brandt%entferne%@t-online.de internet: http://www.ingobrandt.de

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#7. Re: Neuanlage einer Auenlandschaft - von Wieser Bernard 
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Date: Sun, 16 Dec 2001 von: "Wieser Bernard " <bernard.wieser%entferne%@utanet.at> Subject: Re: Neuanlage einer Auenlandschaft Hallo Ingo, Genau dieses habe ich bei zahlreichen Flächen bereits versucht. Das Problem bei dieser Fläche ist nur, daß im Umkreis von 1 km keine Wiese vorhanden ist, und nicht einmal die Jahrhunderte alten Ackerraine noch irgend etwas besonderes zeigen, weil sie zu Tode gespritzt oder gemulcht wurden. Zudem haben wir sehr mit den Neophyten zu kämpfen und auch hier einschlägige Erfahrungen. Das drüsige Springkraut läßt sich praktisch kaum mit Schnitten bekämpfen, da es sehr regenerativ ist. Die Kanadische und die Große Goldrute übernehmen sofort die Besiedelung solcher Flächen, wenn nicht Wiesensamen eingestreut sind. Und da gibt es noch die überall wachsenden Windengewächse Windenknöteriche, Ackerwinde, die alles niederdrücken. Unser Klima ist zudem sehr mild und das Pflanzenwachstum auf Auböden enorm. Man könnte theoretisch 4 bis 5 mal mähen. Mir ist klar, daß die Beikräuter mit der Zeit verschwinden. Auf einer Vergleichsfläche hatte ich 100 m³/ha Beikräuter beim ersten Schnitt Anfang Juni. Das muß ich irgendwo kompostieren, denn das frißt mir keine Kuh und kein Pferd. Trotz mehrmaliger Mahd hatte ich im zweiten Jahr noch immer 90 % Bedeckung mit Hühnerhirse. Nur magere Böden reagieren schneller auf eine Umstellung. Auf weiteren Flächen kämpfen wir mit dem Aufkommen von Pionierbäumen (Birke, Pappel usw.). Das Einsähen von gewöhnlichen Wiesenmischungen mit Kleesorten und Gräsern ist sowieso kontraproduktiv, da diese schnell den Boden zumachen und keine anderen Samen keimen lassen. In den Streuewiesen ist der Kleeanteil eher gering, mit Ausnahme des Rotklees. Die besseren Arten, wie der Erdbeerklee brauchen lange Entwicklungszeiten der Flächen und ein intaktes Pilzsystem im Boden. Läßt man die Wiesen bis in den Herbst stehen, entwickeln sich aufgrund der Beschattung bald wasserspeichernde Moosbeläge und es kommt zur Wechselfeuchtigkeit, was viele Streuwiesenarten und die Besiedelung mit Pilzen begünstigt. Daher ist die Bewirtschaftungsumstellung auf späte Mahten sehr wichtig, sobald der Faktor Neophyten verdrängt ist. Auch die Pflanzung von Bäumen einer weichen Au hängt von der Wasserspeicherfähigkeit des Bodens ab. Nicht sicher sind wir uns, ob sich das Gift aus den Spritzmitteln über die Jahre an der Abpackschicht gehalten hat. Atrazin und seine Derivate sind ja sehr lange (über 30 jahre) nachweisbar und das läßt sich auch heute noch im Grundwasser feststellen, obwohl es bei uns schon sehr lange (15 Jahre) verboten ist. über die Nährstoffe, so glaube ich brauchen wir uns nicht so sehr die Gedanken machen. Die Auböden sind von Haus aus sehr nährstoffreich (fett). Ich denke es ist in erster Linie eine Bewirtschaftungsfrage und die Frage, "Wie bekomme ich wieder eine leicht anmoorige, wechselfeuchte Wiese." (Bepflanzungsabstände von Augehölz, zur Schaffung kleinklimatischer Sonderstandorte, usw.) Noch viel Spaß an der Diskussion. Bernd

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#8. Re: Neuanlage einer Auenlandschaft - von ingo
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Date: Sun, 16 Dec 2001 von: Ingo.Brandt%entferne%@t-online.de (ingo) Subject: Re: Neuanlage einer Auenlandschaft Lieber Bernd, Na so ganz kenne ich die Verhältnisse bei euch eben nicht. Eine ursprünglich anmoorige Fläche in Hamburg, die zwischenzeitlich entwässert und als Intensivobstkultur mit viel Gift genutzt worden. Dort versuchen wir nun das Niedermoorgrünland zu regenerieren. Als übergang haben wird dort Knaulgras gesät (Dactylis glomerata) weil dies den Boden eben nur so lange bedeckt, wie ausreichen freie Nährstoffe vorhanden sind und danach verschwindet, ähliches könnte man mit Bromusarten verschen, keinesfalls sollte man Poa-Arten oder Lolium verwenden, auch keine Leguminosen. Ich kann dir leider noch nichts über Erfolge dieser Therapie sagen. Aber mir scheint aus deinen Schilderungen ein gewisser wiederspruch zu sprechen. Sollten die Flächen tatsächlich dauerhaft so nährstoffreich sein, dann ist dort auch kein Wuchsort für seltene Arten. Dieser entsteht nur , wenn durch Luftabschluß und Torfbildung, die Nährstoffe gebunden werden und dies ist nur mit stagnierendem Wasser möglich. Müßt ihr also den Wasserstand ersteinmal ordentlich anheben? Gruß und viel erfolg Ingo Brandt Eppendorfer Weg 119 20259 Hamburg Tel.: + 49 (40) 491 29 40 Fax: + 49 (40) 40 17 12 17 e-Mail: Ingo. Brandt%entferne%@t-online.de internet: http://www.ingobrandt.de

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#9. Re: Neuanlage einer Auenlandschaft - von Andreas Meyer-Aurich
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Date: Mon, 17 Dec 2001 von: Andreas Meyer-Aurich <ameyer%entferne%@wzw.tum.de> Subject: Re: Re: Neuanlage einer Auenlandschaft Hallo, seid ihr Euch eigentlich sicher, dass Ihr den Amphibien damit helft, den Acker in eine Wiese mit hoher Schnittfrequenz umzunutzen? Immerhin ist die Maht ein wichtiger Lethalfaktor für Amphibien. Ich denke, bei so einem aufwendigen Projekt, wie Ihr es betreibt sollte man ernsthaft darüber nachdenken, womit dem Amphien wirklich geholfen werden kann. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Goldrute irgendeinen Frosch stört .. über die Toxizität von PSM für Amphibien ist viel publiziert - bei dem Atrazin brauch ihr, glaube ich, keine bedenken mehr zu haben. Erstens ist es schon seit ein paar Jahren verboten und 2. wenn ausgebracht wahrscheinlich versickert. Größere Probleme bereiten zum Beispiel Totalherbizide wie Roundup. Allerdings sind hier eher die akuten Gefährdungen relevant. Gegen die Langzeitschäden könnt Ihr eh nichts mehr machen .. Andreas Meyer-Aurich

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#10. Re: Neuanlage einer Auenlandschaft - von Wieser Bernard 
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Date: Tue, 18 Dec 2001 von: "Wieser Bernard " <bernard.wieser%entferne%@utanet.at> Subject: Re: Neuanlage einer Auenlandschaft Hallo Ingo und Andreas Das mit dem Knaulgras ist insofern ein guter Hinweis, da es sich auch in Feuchtwiesen findet. Auwaldstandorte sind normalerweise periodisch überflutet. Durch die Regulierungen ist dieser Faktor jedoch minimiert aber nicht unwahrscheinlich. Die Möglichkeit, diese Fläche periodisch zu überstauen besteht theoretisch. Wir haben im angrenzendem Ungarn solche Standorte mit periodischer überflutung und sogar neubildung von Altarmen, etc., am selben Fluß. Ich möchte euch einen kurzen überblick über einige dort vorkommende Arten geben, die wir wieder ansiedeln möchten: Pfeifengras, Lungenenzian, Prachtnelke, Stern-Narzisse, Breitblättriges Knabenkraut, Sumpfstendel, Graue Distel, Tausendguldenkräuter, Gilbweidericharten, Blutweiderich, Gelbe Taglilie, Wasserschierling, Färberscharte, Schmalschuppige Perückenflockenblume, Sibierische Schwertlilie, Wasserschwertlilie, Niedrige Schwarzwurzel, Amphibischer Knöterich, usw. Auch an die Wiedereinbringung von Knolauchkröte und Wechselkröte ist gedacht, da diese Arten noch vor 2 jahrzehnten hier vorgekommen sind. Alle diese Arten kommen dort auf periodisch überfluteten Standorten vor! Die meisten anderen Feucht- bzw. Streuwiesenarten oder Fettwiesenarten werden hier nach wenigen Jahren gut gedeihen können, davon bin ich überzeugt. Die Wiesenmischungen mit Lolium, Leguminosen, etc. werden wir nicht verwenden. übrigends war ich heute beim Zoll und wollte Klarheit über die Einfuhr von Heugut haben. Es schaut demnach so aus, daß ungarisches Heu tierärztlich untersucht (beschaut) werden muß, bevor es nach Österreich importiert werden darf! Nachdem ich die Wiesen dort kenne und weiß, daß keine Dünger oder andere Stoffe auf diese Wiesen kommen und sie höchstens von nicht ganz sauberem Raabwasser aus Österreich überschwemmt werden, ist mir diese Maßnahme höchst unverständlich. Die Seuchengesetze sind schon sonderbar, nachdem Fleisch in allen EU-Ländern frei transportiert werden kann und ein sauberer Grundstoff wie Heugut von extensiven Wiesen beschaut werden soll. Außerdem müssen wir einen 30 Kilometer weiten Umweg über den Grenzposten heiligenkreuz machen obwohl die Wiese die wir für das Mähgut haben möchten direkt an einen nur selten geöffneten kleinen Grenzübergang anschließt. Also wird das alles nicht so einfach werden. Bis bald Bernd

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#11. Re: Neuanlage einer Auenlandschaft - von Wieser Bernard 
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Date: Tue, 18 Dec 2001 von: "Wieser Bernard " <bernard.wieser%entferne%@utanet.at> Subject: Re: Neuanlage einer Auenlandschaft Lieber Andreas! Bevor wir den neophyten Goldrute in unsere gewässernahen Räume bakamen, hat es da eine sehr artenreiche Auvegetation gegeben. Mit dieser waren unzählige Insekten verbunden. nahrung für Massen von Amphibien. Ich bin mir sicher, daß es besser ist Neophyten fern zu halten, daß haben wir bei 4 Altarmen schon nicht geschafft und die sind jetzt ziemlich monoton im Bewuchs und in der Faunenzusammensetzung. Im ungarischem Gebiet greifen diese neuphyten auf alle Waldtypen über und wachsen fast jede Feuchtwiese zu, so schnell breitet sich die Goldrute aus. Das geht sogar ins Hügelland hinein. Da hilft nur eines, die Mahd. Feuchtwiesen sind Kulturlandschaften mit extensiver Mahd. Je nach Nährstoffanteil wachsen sie früher oder später zu. An eine hohe schnittfrequenz war nie gedacht. Max. einmal im Jahr und dann nicht die ganze Fläche, sondern nur die fetten Bereiche, bevor alles unmähbar wird. Kannst du mir erläutern wofür PSM eingesetzt wird? Ich kenne dieses Mittel hier nicht, was nicht heißt das es hier nicht verwendet werden kann. Bis bald Bernd

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#12. Einladung zum Sylvesterfest - von floravista
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Date: Tue, 18 Dec 2001 von: "floravista" <office%entferne%@floravista.at> Subject: Einladung zum Sylvesterfest Liebe Leute! Wir laden Euch herzlich zum Sylvesterfest unseres Vereins FLORA VISTA ein. kurz über den Verein: Der Verein wurde vor einem Jahr von einer Gruppe junger Ökologen, Botaniker und Limnologen gegründet und befaßt sich mit verschiedenen Bereichen der Ökologie. Durch die Lage unseres Vereinssitzes, dem ehemaligen Haus der Forstverwaltung am Rande des Nationalparks Donauauen in Stopfenreuth fokusieren sich unsere Aktivitäten zu einem Gutteil auf die Donauauen. Beginn des Festes: irgendwann gegen abend, ihr könnt aber gerne auch schon ab Mittag kommen um mit uns eine kleine Führung in den Nationalpark machen. Ende: irgendwann 2002, Eintritt: frei, Essen und Trinken: günstig Ort: Stopfenreuth 37, 50 km östlich von Wien bei Hainburg Tel.: 06991-925 22 23, Nehmt Freunde mit und gute Laune, bitte auch gerne weitermailen! Mit besten Grüßen Babsi, Andrea, Wolfgang, Markus zwecks Anreise, Lage, etc. siehe auch: www.floravista.at

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#13. Re: Neuanlage einer Auenlandschaft - von ingo
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Date: Wed, 19 Dec 2001 von: Ingo.Brandt%entferne%@t-online.de (ingo) Subject: Re: Neuanlage einer Auenlandschaft Lieber Bernd, alle die selteneren Arten, die du da aufzählst haben mehr oder weniger etwas mit anmoorigen Standorten zu tun. Der Schlüssel zu einer floristischen (und faunistischen) Aufwertung der Flächen scheint mir wirlich das Wasser zu sein. Die Neophyten sin überall in den Auen ein großes Problem. Deren Hauptwuchsorte liegen jedoch auf den wechselfeuchten, gut nährstoffversorgten (also auch Ackerfähigen) Standorten. Bei stagnierendem Wasser über mehere Monate und Mahd hätten diese Arten keine Konkurrenzvorteile mehr. Bei der Mahd gibt es natürlich wirklich die Probleme mit den Amphibien. Ich habe aber aus diversen Kartierungen in Hamburg denEindruck, dass viele Frösche auch gerade gern das Grünland an Stelle der Staudenfluren und Röhrichte aufsuchen, weil es hier wärmer ist, teils blüten- und insektenreicher und der Raumwiederstand geringer ist. (Ist aber nicht quantitativ untermauert). Bei echtem Grünland der Auen und auch zur Förderung der selteneren Arten ist am Anfang aber sicher mehr als eine Mahd jährlich nötig. Erst bei Aushagerung bzw. Bindung der Nährstoffe bei einsetzender Vremoorung und Minderng des Zuwachses kann man auf eine Mahd zurückgehen, sonst wird die Veränderung der Flora nicht einsetzen. Zum Aufkeimen der eingebrachten seltenen Arten ist außerdem ein offenes Keimbett notwendig, dass über eine späte Mahd im Oktober geschaffen werden kann. Diese Mahd zieht aber kaum Nährstoffe aus einer Fläche, dazu ist die Mahd im Juli notwendig! Die Gefahr Amphibien zu töten vermindert sich stark, wenn die Vegetation offener und bis zum Boden besonnt ist und man dann warme Sonnentage für die Mahd auswählt. Dann muß man das Mähgerät noch hoch einstellen und keine Kreiselmäher verwenden! Tja, aber wer bezahlt das eigentlich alles? Auf die beschriebene Art produziert ihr nach ein Paar Jahren hutes Heu für das sich eigentlich auch Abnehmer und Landwirte finden lassen sollten. Das ist bei Pflegeschnitten nicht der Fall und damit sind diese teurer! Gruß Ingo Brandt Eppendorfer Weg 119 20259 Hamburg Tel.: + 49 (40) 491 29 40 Fax: + 49 (40) 40 17 12 17 e-Mail: Ingo. Brandt%entferne%@t-online.de internet: http://www.ingobrandt.de

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#14. Re: Neuanlage einer Auenlandschaft - von Wieser Bernard 
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Date: Thu, 20 Dec 2001 von: "Wieser Bernard " <bernard.wieser%entferne%@utanet.at> Subject: Re: Neuanlage einer Auenlandschaft Lieber ingo! Danke für deine antwort. Da sind wieder einige interessante Aspekte dabei. Die Neophyten-Goldruten kommen bei uns bis in das Hügelland hinauf vor. Sie dominieren ohne Schnitteinwirkung bald ganze flächen. Die mahd wollen wir auf die Bodenbrüter (Kiebitz, Rebhuhn, usw.) abstimmen. D. h. nicht vor Ende Juli. Ich möchte aber auch Flächen haben, die mehrere Jahre nicht gemähd werden, wo nur der aufkommende Strauchwuchs entfernt wird. Dafür werden wir in Eigenregie sorgen. Es sollen auch Benjes-Hecken angelegt werden, wo wir dieses Material dann verwenden können. In diesen ansammlungen von Altholz, Laubstreu und Astwerk gibt es für Amphibien sicher genug Einstände. Wie du sagst ist das Wasser unser Hauptproblem. Das überstauen ist kaum möglich ohne angrenzendes landwirtschaftliches Gebiet zu beeinträchtigen (vernässen). Eine gezielte Frühjahres-überflutung wäre natürlich das Beste. Auch die landwirtschaftlichen Gründe würden dann genug Wasser und Nährstoffe abbekommen. Die Trockenheit des letzten Jahrzehntes hat große Einbußen für die Landwirte gebracht. Ich denke aber nicht, daß dies so ohne weiteres möglich ist. Wer bezahlt die Pflege: Wir haben die Möglichkeit über eine unserer Naturschutzorganisationen die Flächen in Förderprogramme einzubringen. Das gilt natürlich nur, solange es diese gibt. Finanziell geht es uns momentan gut. Wir haben noch Spendenmittel, die wir allerdings für weitere Ankäufe einsetzen wollen. Immerhin ist das gesamte Gebiet (ohne die geschützten Altarme) ca. 14 ha groß. Unsere Spendenaktion läuft nun seit September 1999. Seither hat es über 20 Ausstellungen mit bilderverkauf, 4 Großveranstaltungen, 3 Bausteinaktionen (ca. 900.000,--), 2 Kalenderaktionen (400.000,--), eine Auktion (300.000,--) und einige private Spenden gegeben. Es wirken über 20 Vereine, Gesellschaften und Gemeinden bei der Aktion mit. Davon sind 8 Naturschutzvereine, 3 Fischereigemeinschaften, 2 Jagdgesellschaften, 1 regionaler entwicklungsverein, 1 Tourismusverein, 1 Trinkwasserversorgungsgesellschaft, 1 Regulierungsgesellschaft, 2 Gemeinden, 1 Kleintierzüchterverein und die regionale Sparkasse. Es haben bereits über 10.000 Menschen gespendet. Unser obmann ist Lehrer und Süßwasserhobbyforscher. Er leitet ein Fischereimuseum, das zweitgrößte in Österreich. Im Vorstand befinden sich 6 Vertreter aus den Vereinen. Ich bin neben der fachlichen Beratung noch der Schriftführer und organisiere die Veranstaltungen zusammen mit dem Obmann. Insgesamt haben wir in den letzten beiden Jahren 1,8 Millionen Schilling an Spenden aufgestellt und das obwohl wir in einer ländlichen Gegend zuhause sind in einer der einkommensschwächsten Regionen Österreichs. Es ist den Menschen hier einfach ein Anliegen, das dieser Fluß wieder revitalisiert wird. Ich betreue auch noch über 20 Amphibienwanderstrecken und ein Vogelschutzprojekt für die Blauracke. Dabei gibt es über 500 freiwillige Helfer in zwei Bezirken. Jährlich retten wir fast 100.000 Amphibien vor dem Verkehrstod. Es gibt 13 Amphbienarten in unserer Region. Die Wechselkröte ist ausgestorben, aber 15 Kilometer weiter Flußabwärts kommt sie noch häufig vor. Wir wollen sie wieder bei uns ansiedeln. Unsere interessanteste Art ist die Knoblauchkröte, die noch in einem reliktärem Gebiet mit ca. 600 adulten Exemplaren vorkommt. Vor 30 Jahren gab es sie noch im gesamten Talgebiet. Im Gewässer kommen an die 35 Fischarten vor. In den Altarmen über 25. Einige davon sind EU-Schutzarten. Fast alle sind bedroht oder stark zurückgegangen. Wir haben die Altarme mit dem fluß vernetzt. über Fischaufstiegshilfen können über 20 Arten eine Wehranlage seitlich umschwimmen. Der Fischotter ist regelmäßig in den Altarmen. Wenn es euch noch interessiert: Das Tal hat im Projektgebiet eine Breite von ca 1,5 kilometer. Die Durchschnittstemperatur liegt zwischen 8 und 9 Grad. Die Gewässertemperaturen steigen im Sommer auf ca. 26 Grad. Die tiefsten Temperaturen liegen um minus 20 Grad. Die Vegetationsdauer beträgt an die 250 Tage im Jahr. Floristisch treffen bei uns alpine, pannonische, illyrische und submediterane Klimaelemente aufeinander. Das Gebiet gehört floristisch und faunistisch zu den artenreichsten in Österreich. Wir erforschen seit 10 jahren unsere Arten und sind bei über 3800 Tier- und Pflanzenarten. Durch den Ankauf wollen wir die Intensiven Maiskulturen am Rand der Altarme zurückdrängen. Noch viele Grüße aus der Steiermark.

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