Die Wortmeldungen der Amphibienlistenteilnehmer vom Februar 2001

#1. Seminar - Amphibienschutz in der Praxis - von Mysliwietz Rainer
#2. Faunenverfälschung - von bachhausen%entferne%@debitel.net
#3. Re: Faunenverfälschung - von Drews, Arne
#4. Re: Faunenverfälschung - von Benedikt Schmidt
#5. Re: Faunenverf - von Sebastian Voitel
#6. Re: Faunenverfälschung - von Copris
#7. Re: Faunenverfälschung - von Ulrike Geise
#8. Re: Faunenverfälschung - von bachhausen%entferne%@debitel.net
#9. Re: Faunenverfälschung + Schildkröten - von Benedikt Schmidt
#10. Re: Faunenverfälschung - von Copris
#11. Re: Faunenverfälschung - von Ingo Brandt
#12. Re: Faunenverfälschung - von bachhausen%entferne%@debitel.net
#13. Re: Faunenverfälschung - von Ulrike Geise
#14. Re: Faunenverfälschung - von Benedikt Schmidt
#15. Unknown - von Horst Wagenfeld

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#1. Seminar - Amphibienschutz in der Praxis - von Mysliwietz Rainer
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Date: Mon, 19 Feb 2001 von: "Mysliwietz Rainer" <rainerm%entferne%@gmx.net> Subject: Seminar - Amphibienschutz in der Praxis Seminar Amphibienschutz in der Praxis http://www.ooe.gv.at/veranstaltung V e r a n s t a l t e r O.ö. Akademie für Umwelt und Natur Institut für Naturschutz Stockhofstraße 32, 4021 Linz Auskünfte Inhaltlich: Andrea Dumphart 0732/7720-4413 Organisatorisch: Michael Höglinger 0732/7720-4439 Fax: 0732 / 7720 - 4420 e-mail: andrea.dumphart%entferne%@ooe.gv.at. Moderation und Seminarleitung: Dr. Hans Schratter O.ö. Akademie für Umwelt und Natur Institut für Naturschutz, Linz Exkursionsleitung: Vzbgm. Stefan Hackl, Spital a.P. Termin: Donnerstag, 8. März 2001, 9.00 bis 17.00 Uhr Ort: 4582 Spital am Pyhrn 7, Hotel Naturfreunde (Oberösterreich) Inhalt: Allgemeine biologische Kenndaten der einheimischen Amphibienfauna sowie Verbreitungsbiologie, Gefährdungsursachen und Schutzstrategien sind Inhalt dieser Fortbildungsveranstaltung. Besonderes Augenmerk wird in diesem Zusammenhang auch auf die Problematik Amphibienschutz und Straßenverkehr gelegt. Zudem werden Techniken wie Leiteinrichtungen und Zaun-Kübel-Methode als Schutz und Bestanderhebungsmaßnahme in Theorie und Praxis erläutert. Zielgruppe: Pädagogen an AHS, Naturwacheorgane, Naturschutzfachleute, Interessierte Hinweis: Wird vom Pädagogischen Institut des Bundes in OÖ. als offizielle Fortbildungsveranstaltung anerkannt. ------------------- Programm Wir wollen Ihnen mit dieser Veranstaltung die Problematik "Amphibienschutz an Straßen" so weit näher bringen, dass Sie in der Lage sind, die Zaunkübelmethode selbständig durchzuführen. Sie lernen Material und Methode kennen, erfahren, wie Leitzäune zu installieren sind und wie man Protokolle verfasst, um diese auch als Grundlage für die Planung neuer Tunnelleitanlagen heranzuziehen. Den derzeitigen Stand der Arbeitsgruppe "Amphibienschutz an Straßen" lernen Sie ebenso kennen, wie eine bereits bestehende Amphibienschutzanlage in Spital am Phyrn und eine zu errichtende an der Phyrnpassbundesstraße. Zudem wird ein Untersuchungsprojekt mit Materialvergleichen in der Steiermark vorgestellt. Tagesablauf Donnerstag, 8. März 2001 09.00 Eröffnung und Begrüßung Dipl.-Ing. Dietmar Kriechbaum Direktor der O.ö. Akademie für Umwelt und Natur 09.30 Empfehlungen des Bundesministerium Der Weg vom toten Frosch an der Straße zur Amphibienschutzanlage Mag. Martin Kyek Haus der Natur, Salzburg 10.15 Biologie und Verbreitung der heimischen Lurcharten Mag. Werner Weißmair, Wolfern 11.00 Diskussion 11.30 Pause 12.00 Grundlagenerhebung dauerhafter Maßnahmen Amphibienschutzprojekte in der Steiermark Mag. Barbara Hintz Büro für Freilandökologie und Naturschutzplanung, Wildon 12.30 Diskussion 13.00 Mittagspause 14.30 Exkursionseinleitung Vizebürgermeister Stefan Hackl Exkursionsbetreuung Erlebniswanderführer Manfred Angerer Exkursionsziel Dauerfroschleiteinrichtung Brettlbauernteich 17.30 Ende der Veranstaltung

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#2. Faunenverfälschung - von bachhausen%entferne%@debitel.net
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Date: Wed, 21 Februar 2001 von: <bachhausen%entferne%@debitel.net> Subject: Faunenverfälschung Liebe Listenmitglieder In einem kleinen Waldtümpel in der Nähe von Düsseldorf habe ich im vorletzten Sommer einen spanischen Rippenmolch (Pleurodeles waltl) und einen Vertreter der nordamerikanischen Gattung Taricha (vermutlich granulosa) gefangen. Diesen Tümpel beobachte ich nun schon seit vielen Jahren. Er wird von allen fünf bei uns vorkommenden Urodelen (Triturus vulgaris, T. alpestris, T. helveticus, T. cristatus und Salamandra s. terrestris) als Reproduktionsgewässer genutzt. Zusätzlich noch von Rana temporaria. Nun zu meiner Frage: Gibt es Untersuchungen, wieweit derart "entsorgte" exotische Schwanzlurche die heimischen Amphibienbestände stören? Ist möglicherweise etwas über reproduzierende Populationen von ausgesetzten Lurchen bekannt (in Mitteleuropa)? Kann gar das Aussetzen von heimischen Arten z. B. im Gartenteich, die zwar zur gleichen Unterart aber einer anderen Lokalpopulation gehören Probleme verursachen? Ich züchte selbst neben Salamandra s. terrestris noch die asiatischen Molche Cynops orientalis und Cynops ensicauda popei. Deshalb habe ich an dieser Fragestellung ein besonderes Interesse. Über Antworten und Literaturtips würde ich mich sehr freuen. Paul Bachhausen

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#3. Re: Faunenverfälschung - von Drews, Arne
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Date: Thu, 22 Feb 2001 von: "Drews, Arne" <adrews%entferne%@lanu.landsh.de> Subject: Re: Faunenverfälschung Hallo, eine Nachricht aus dem hohen Norden, der in dieser Hinsicht wohl auch nicht repräsentativ ist, zumal wir bei den Schwanzlurchen weder Fadenmolch noch Feuersalamander "haben". Es gibt zwar Hinweise auf beide Arten, aber dabei handelt es sich wohl auch um freigesetzte Terrarientiere, nur ist das nicht so leicht nachzuweisen, wie bei echten Exoten. In unserem etwas rauheren Klima haben sich bis jetzt keine Schwanzlurche halten können, wohl aber Amerikanische Ochsenfrösche, die durch Besatzfische irgendwo aus Süddeutschland als Larven unbeabsichtigt ausgesetzt worden sind. Die Tiere haben sich über mehrere Jahre gehalten und es wurden in diesem Zeitraum auch Larven nachgewiesen, die aber natürlich auch aus erneuten Besatzfischlieferungen stammen konnten. Der Fischwirt war über die Neuankömmlinge anfänglich froh, da sie den dort reichlich vorkommenden Grünfröschen und Knoblauchkröten zusetzten, deren Larven sonst in erhebliche Konkurrenz zu den Kleinfischen (Karpfen/Schleien-Brütlinge traten). Bis der Teichwirt gesehen hat, dass ein adulter Frosch einen 300g Karpfen gefressen hat, spätestens dann war die anfängliche Freundschaft vorbei. Nach dem Kältewinter 1996 hatte der Spuck ein Ende. Seit dem sind keine neuen Funde dieser Art gemeldet worden. Arne Drews Landesamt für Natur und Umwelt Abt. Naturschutz und Landschaftspflege Hamburger Chaussee 25 24220 Flintbek Tel.-Nr: 04347-704-360 / Fax 04347-704-302 / e-mail: adrews%entferne%@lanu.landsh.de

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#4. Re: Faunenverfälschung - von Benedikt Schmidt
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Date: Thu, 22 Feb 2001 von: "Benedikt Schmidt" <bschmidt%entferne%@zool.unizh.ch> Subject: Re: Faunenverfälschung > Gibt es Untersuchungen, wieweit derart "entsorgte" exotische Schwanzlurche > die heimischen Amphibienbestände stören? Mir ist nichts bekannt, aber es gibt sicher auch nicht viele Untersuchungen zum Thema. In der Schweiz wurden Seefrösche ausgesetzt. Diese sind zweifellos keine Bereicherung der Fauna. Eine eingeschleppte Amphibienart reicht mir, ich brauche nicht auch noch einen eingeschleppten Molch. Es ist ja sowieso erstaunlich, wieviele eingeschleppte Süsswassertiere es gibt. Beispielsweise im Rhein wimmelt es von exotischen Arten (es gibt u.a. Schnecken aus Neuseeland). > Ist möglicherweise etwas über reproduzierende Populationen von ausgesetzten > Lurchen bekannt (in Mitteleuropa)? Ja, amerikanische Ochsenfrösche (Rana catesbeiana; wie schon in einer andern Antwort erwähnt). Adulte Ochsenfrösche fressen nicht nur andere Arten, auch ihre Kaulquappen sind gute Konkurrenten mit starken Effekten auf andere Arten (z.B. Kupferberg S. J. 1997. Bullfrog (Rana catesbeiana) invasion of a California river: the role of larval competition. Ecology 78:1736-1751; Kiesecker J. M., Blaustein A. R. 1997. Population differences in responses of red-legged frogs (Rana aurora) to introduced bullfrogs. Ecology 78:1752-1760; Kiesecker J. M., Blaustein A. R. 1998. Effects of introduced bullfrogs and smallmouth bass on microhabitat use, growth, and survival of native red-legged frogs (Rana aurora). Conservation Biology 12:776-787). > Kann gar das Aussetzen von heimischen Arten z. B. im Gartenteich, die zwar > zur gleichen Unterart aber einer anderen Lokalpopulation gehören Probleme > verursachen? Grundsätzlich finde ich, dass man in einem Gartenteich keine Amphibien aussetzen sollte. Wenn der Teich für Amphibien geeignet und erreichbar ist, dann kommen die Tiere von alleine. Und wenn der Weiher nicht erreichbar ist: Wieso soll man eine isolierte Gartenteichpopulation schaffen? Es gibt Hinweise, dass Amphibienpopulationen an die lokalen Verhältnisse angepasst sind. Das heisst, es geht ihnen "zu Hause" besser als anderswo. Wenn man nun Tiere vom Gartenweiher abwandern und sich in natürlichen Populationen fortpflanzen, dann wird diese lokale Anpassung gestört. Diese Art von Genfluss kann sich negativ auf die lokalen Populationen auswirken (z.B. Storfer A., Sih A. 1998. Gene flow and ineffective antipredator behavior in a stream-breeding salamander. Evolution 52:558-565; Storfer A. 1999. Gene flow and local adaptation in a sunfish-salamander system. Behavioral Ecology and Sociobiology 46:273-279). Meiner Meinung nach sollten Amphibien nicht von einer Population zur nächsten gebracht werden. MfG Benedikt Schmidt Benedikt Schmidt Zoologisches Institut University of Zurich Winterthurerstrasse 190 CH-8057 Zürich Schweiz - Switzerland 0 0 Tel. ++41 (0)1 635 4982 ( -- ) Fax. ++41 (0)1 635 6821 /\( )/\ bschmidt%entferne%@zool.unizh.ch ^^ ^^ ^^ ^^ http://www.unizh.ch/~bschmidt/ El silencio es tal vez el sonido mas fuerte que podemos escuchar. Si las ranas dejan de cantar, el hombre sabra que ha perdido a uno de sus hermanos.

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#5. Re: Faunenverfälschung - von Sebastian Voitel
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Date: Thu, 22 Feb 2001 von: seb_olm%entferne%@t-online.de (Sebastian Voitel) Subject: Re: Faunenverfälschung Hallo Paul, ich habe vor einigen Wochen, der Schöpfer möge mir verzeihen, schmerzlich entdecken müssen, daß ich einen Pleurodeles waltl letzten Herbst in meinem Gartenteich vergessen habe. Trotz des milden Winters hat ein kurzes gefrieren der Wasseroberfläche gereicht um das Tier, selbst in 1m Tiefe, verenden zu lassen. Der Teich ist ein-& ausbruchsicher für Amphibien. -im Museum "Alexander König" (Bonn) konnte sich in einem geschützten Innenhof über einige Jahre eine Triturus m. marmoratus Population halten. - im Bayrischen Wald hielten sich sogar Karpatenmolche über 50 Jahre. Versuche mit Tigersalamandern gab es auch. Diese "Exoten" endeten in einer Sackgasse. Weit weniger glimpflich verläuft das Aussterben von Rana lessonae und Rana esculenta im Kanton Genf welches durch die Ausbreitung von Osteuropäischen illegal ausgesetzten "Speisefröschen" (Rana ridibunda) verursacht wird. Siehe dazu elaphe 2/98. Heute zählt man bereits amerikanische Rotwangenschmuckschildkröten zu einem faunistischen Bestandteil Europas.............. . Wir sollten also peinlichst darauf achten uns unsere genetische Vielfalt und Einmaligkeit zu bewahren. Gruß Sebastian.

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#6. Re: Faunenverfälschung - von Copris
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Date: Thu, 22 Feb 2001 von: copris%entferne%@t-online.de (Copris) Subject: Re: Faunenverfälschung Hallo, ein schöner Einstieg in die Neozoen-Problematik ist das Buch von Bernhard Kegel: Die Ameise als Tramp (Ammann Verlag). Sehr gut recherchiert und sehr gut geschrieben! Für Neozoen-Interessierte ist allgemein vor allem auch die URL der Arbeitsgruppe Neozoen der Uni Rostock wichtig: http://www.uni-rostock.de/fakult/manafak/biologie/abt/zoologie/neozoen.html Speziell für Herpetologen ist der Fachbeitrag von Geiger, A. & M. Waitzmann: Überlebensfähigkeit allochthoner Amphibien und Reptilien in Deutschland - Konsequenzen für den Artenschutz (in Gebhardt, Kinzelbach & Schmidt-Fischer (1996) Gebietsfremde Tierarten. ecomed) interessant. Außerdem gab es von M. Schorr noch eine Arbeit über Libellen, wo der erhöhte Prädationsdruck auf die Larven durch exotische Schildkröten geschildert wurde. Wenn es mal wichtig ist, könnte ich die Arbeit mal heraussuchen... Beste Grüße Wolfgang A. Rowold Arbeitsgemeinschaft COPRIS Grossenbreden 17 Germany - 37696 Marienmuenster Tel.: +49 (0)5276 8617 FAX: +49 (0)5276 8795 e-mail: copris%entferne%@t-online.de http://www.copris.de

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#7. Re: Faunenverfälschung - von Ulrike Geise
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Date: Fri, 23 Feb 2001 von: Ulrike.Geise%entferne%@t-online.de (Ulrike Geise) Subject: Re: Faunenverfälschung > Hallo alle Interessenten, > > Heute zählt man bereits amerikanische Rotwangenschmuckschildkröten zu einem > faunistischen Bestandteil Europas.............. . > Bei uns in Würzburg gibt es im Stadtpark auch eine "Population" - aber ich dachte immer, die sterben in strengeren Wintern aus und werden dann aus der Bevölkerung "nachgesetzt"????? Können die sich wirklich lange halten? Macht es gut Ulrike

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#8. Re: Faunenverfälschung - von bachhausen%entferne%@debitel.net
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Date: Sat, 24 Feb 2001 von: <bachhausen%entferne%@debitel.net> Subject: Re: Faunenverfälschung Hallo Ulrike Geise, und vielen Dank an die Anderen für die zahlreichen Antworten. Die meisten ausgesetzten Rotwangenschmuckschildkröten sterben innerhalb des ersten Jahres. Wenn sie die Umstellung auf das Freiland schaffen, werden sie aber auch i.d.R. nicht alt. Hierbei wirken weniger die strengen Winter als die naßkalten Frühling- und Herbstmonate, so dass sie innerhalb einiger Jahre langsam zugrunde gehen. Die mancherorts gleichbleibend hohen Bestände an Schmuckschildkröten sind deshalb eher auf neu ausgesetzte Tiere zurückzuführen. Gruß Paul Bachhausen

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#9. Re: Faunenverfälschung + Schildkröten - von Benedikt Schmidt
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Date: Sat, 24 Feb 2001 von: "Benedikt Schmidt" <bschmidt%entferne%@zool.unizh.ch> Subject: Re: Faunenverfälschung + Schildkröten >> Heute zählt man bereits amerikanische Rotwangenschmuckschildkröten zu einem >> faunistischen Bestandteil Europas.............. . >> > > Bei uns in Würzburg gibt es im Stadtpark auch eine "Population" - aber ich dachte > immer, die sterben in strengeren Wintern aus und werden dann aus der Bevölkerung > "nachgesetzt"????? Können die sich wirklich lange halten? Das südliche Kanada gehört zum natürlichen Verbreitungsgebiet einiger Schmuckschildkrötenarten. Dort überleben die Tiere den Winter auch. Ich glaube nicht, dass ein strenger Winter für die Tiere wirklich ein Problem ist. Es ist wohl eher so, dass die Winter zu kühl sind, so dass die Eier sich nicht entwickeln können. Tschau Benedikt

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#10. Re: Faunenverfälschung - von Copris
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Date: Sat, 24 Feb 2001 von: copris%entferne%@t-online.de (Copris) Subject: Re: Faunenverfälschung Hallo, >Die meisten ausgesetzten Rotwangenschmuckschildkröten sterben innerhalb des >ersten Jahres. Wenn sie die Umstellung auf das Freiland schaffen, werden sie >aber auch i.d.R. nicht alt. Hierbei wirken weniger die strengen Winter als >die naßkalten Frühling- und Herbstmonate, so dass sie innerhalb einiger >Jahre langsam zugrunde gehen. Die mancherorts gleichbleibend hohen Bestände >an Schmuckschildkröten sind deshalb eher auf neu ausgesetzte Tiere >zurückzuführen. Dies ist nicht ganz korrekt. Geiger & Waitzmann (1999) beispielsweise rechnen fest mit Reproduktionsnachweisen in den nächsten Jahren. Außerdem akklimatisieren sich die Tiere nach meiner Kenntnis wirklich ausgezeichnet, ich höre hier zum ersten Mal von größeren Verlusten. Sind diese irgendwo belegt? Mich würde da die Quelle interessieren! Beste Grüße Wolfgang A. Rowold

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#11. Re: Faunenverfälschung - von Ingo Brandt
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Date: Sat, 24 Feb 2001 von: Ingo.Brandt%entferne%@t-online.de (Ingo Brandt) Subject: Re: Faunenverfälschung In den Hamburger Wallanlagen sind große Gewässer seit Jahrzehnten mit Rotwangenschildkröten besetzt. Es fällt mir schwer davon auszugehen, dass alle ausgesetzten Schildkröten immer wieder hier und nicht in den zahlreichen anderen, in Frage kommenden Gewässern landen sollen. Ich gehe eher davon aus, daß sich die Tiere hier vermehren! Gruss Ingo Brandt

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#12. Re: Faunenverfälschung - von bachhausen%entferne%@debitel.net
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Date: Sun, 25 Feb 2001 von: <bachhausen%entferne%@debitel.net> Subject: Re: Faunenverfälschung Obwohl ich dieses Thema sehr interessant finde, war es nicht meine Absicht die Amphibienschützer mit der Überlebensrate von Schmuckschildkröten zu nerven. Deshalb habe ich die Diskussion in den DGHT-Arbeitskreis Schmuckschildkröten - in dem ich mitarbeite - eingebracht. Die Stellungnahme von Andreas S. Henning, dem Leiter des AK füge ich zur Information bei. Seine Aussagen bestätigen meine jahrzehntelangen Erfahrungen bei der Pflege, Zucht und Freilandbeobachtung dieser Tiere. Für unsere zu schützenden Amphibien ist es aber letztlich gleichgültig, ob sie von neu ausgesetzten oder jahrelang überdauernden Schildkröten, Fischen oder sonst was gefressen werden. Gruß Paul Bachhausen Hier die Stellungnahme: "zur Information für die Amphibienliste: In der schröte-Mailingliste kam das gleiche Thema, aufbauend auf die Amphibienliste. Paul, Du kannst meine mail gern an die Amphibienliste posten. Bei Bedarf melde ich mich auch gern (wieder) in der Amphibienliste an. Du müßtest mir nur nochmal die "Anmeldeformel" schicken. Einige Rotwangen können - je nach Region - in Deutschland überleben, sich aber nicht fortpflanzen. Wärmeliebendere Gelbwangen werden auf Dauer keine Überlebenschance haben. Das Klima in Deutschland unterscheidet sich stark von dem ihres eigentlichen Verbreitungsgebietes (eben die angesprochenen naßkalten Übergangszeiten und wesentlich geringere Sonnenscheindauer). Wenn man irgendwo unterschiedliche Altersstrukturen beobachtet, handelt es sich um neu ausgesetzte Schildkröten verschiedenen Alters. Exakte Zahlen dazu gibt es nicht, da sich Wasserschildkröten nur sehr schwer in der hiesigen Natur beobachten und nachweisen lassen (man entdeckt nie die gesamte Population eines bestimmten Gebietes). Einzige Möglichkeit wären gezielte Fangaktionen mit Fallen. Es gibt in Deutschland auch keine entsprechenden Arbeiten, die sich ausschließlich mit der Faunenverfälschung durch Wasserschildkröten beschäftigen. Die Problematik wird stets nur "am Rande" erwähnt. Die Gefährdung unserer wassergebundener Fauna und Flora besteht in erster Linie durch direkte Lebensraumzerstörung - allochthone Tiere tragen zwar auch "ihren Teil" dazu bei, aber nur in geringem Maße. Die Schuld für bedrohte Amphibienarten nur bei ausgesetzten Schmuckschildkröten zu suchen, wäre falsch. Die Problematik von ausgesetzten Nutzfischen möchte ich erst gar nicht ausführen. Daß Verluste bei ausgesetzten Wasserschildkröten nicht bzw. ungenügend festgestellt werden, liegt in der schon erwähnten schlechten Erfassungsmöglichkeit. Wenn schon lebende Exemplare nicht komplett erfaßt werden können - wie soll man da erst die toten Tiere nachweisen? Das ist noch lange kein Grund, schädigende Bestände (und erst recht keine Reproduktion) zu vermuten. Gewiß können sich Einzeltiere über einen längeren Zeitraum halten, aber daraus eine automatische Fortpflanzung zu vermuten, wäre verkehrt. Viele Halter, die ihre Schmuckschildkröten saisonal im Freiland halten, werden bei genauer Beobachtung feststellen, daß es nicht das Optimum der Wasserschildkrötenhaltung ist. Nicht umsonst werden Schmuckschildkröten im Frühjahr und zeitigen Sommer noch in Zimmerbecken oder Gewächshäusern gehalten, um die Eiablage zu fördern. In Freilandteichen kommt es im gleichen Zeitraum kaum zu Ablagen! Seit mehreren Jahren beteilige ich mich an Amphibienkartierungen und anderen Tiererfassungen, habe Einblick in entsprechende Arbeiten, besitze gute Kontakte zu Anglern, themenbezogenen Verbänden und Behörden - ich kann derzeit ausschließen, daß sich Schmuckschildkröten in Deutschland reproduzieren. Es sei denn, jemand beweist mir das Gegenteil mit Angabe konkreter Freilandgewässer, Eiablagestellen, Schlupf- und Überlebensraten von Jungtieren usw.:-) Viele Grüße Andreas

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#13. Re: Faunenverfälschung - von Ulrike Geise
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Date: Mon, 26 Feb 2001 von: Ulrike.Geise%entferne%@t-online.de (Ulrike Geise) Subject: Re: Faunenverfälschung Hallo, ich fühle mich nicht "zugemüllt"... im Gegenteil: Gerade weil man auf Einzelbeobachtungen angewiesen ist, ist es doch um so wichtiger, gelegentlich einen Erfahrungsaustausch zu haben, oder? Auch Tiere verändern sich ja und das Klima..... Jetzt habe ich der Diskussion entnommen, dass wohl trotz der "regelmäßigen" Funde von fremden Amphibien-, Reptilienarten keine akute Gefahr ausgeht und das finde ich doch ganz wichtig. Neben dem völlig unnatürlichen Gewässer in Würzburg kenne ich nämlich auch natürlichere Gewässer mit interessanter Flora und Fauna und gelegentlich auftretenden "Fremdlingen".... Ulrike

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#14. Re: Faunenverfälschung - von Benedikt Schmidt
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Date: Mon, 26 Feb 2001 von: "Benedikt Schmidt" <bschmidt%entferne%@zool.unizh.ch> Subject: Re: Faunenverfälschung > Exakte Zahlen dazu gibt es nicht, da sich Wasserschildkröten nur sehr > schwer in der hiesigen Natur beobachten und nachweisen lassen (man > entdeckt nie die gesamte Population eines bestimmten Gebietes). > Einzige Möglichkeit wären gezielte Fangaktionen mit Fallen. Ein kleiner methodischer Hinweis. Es ist nicht nötig, die gesamte Population zu erfassen. Das ist für jede Art eine Illusion, würde ich mal sagen. Populationsgrössen und Ueberlebenswahrscheinlichkeiten können mit Fang-Wiederfangstatistik gut geschätzt werden, ohne dass alle Tiere einer Population gefangen werden. MfG, Benedikt

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#15. Unknown - von Horst Wagenfeld
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Date: Tue, 27 Feb 2001 von: "Horst Wagenfeld" <howaberlin%entferne%@hotmail.com> Subject: Unknown liebe mitamphibienfreunde; in ein paar wochen ist es wieder soweit und wir können uns mit den wanderungen der amphibien beschäftigen und beobachtungen in der natur vornehmen. ich selbst bin zur zeit bei einer erfassungsaktion entlang der berliner havelchaussee beteiligt und werde bald morgendlich die eimer entlang eines fangzaunes kontrollieren. diese arbeit macht mir spaß; und ich sind auf der suche nach einem job; der mir solche oder ähnliche betätigungsfelder bietet. daher möchte ich mich heute mit der ungewöhnlichen bitte; mir bei der stellensuche behilflich zu sein; an euch wenden. vielleicht kennt der eine oder andere unter euch ein gutes forum zur jobsuche im bereich des umwelt- und naturschutzes; der umweltbildung und der praktischen naturschutzarbeit. das kann ein internetforum; eine bestimmte website zur umweltthematik oder eine fachzeitschrift sein; in der man gut annoncieren kann. ihr würdet mir mit entsprechenden informationen sehr helfen. vielleicht kennt ihr auch selbst naturschutzzentren oder andere institutionen; in denen ausgebildete landschaftsplaner mit schwerpunktthema naturschutz und umweltbildung gesucht werden. ich habe schon erfahrungen auf diesem gebiet; da ich im vergangenen jahr als berufspraktikant im naturzentrum des nationalparks schleswig - holsteinisches wattenmeer in baderup auf der insel sylt gearbeitet habe. für baldige antworten und anregungen möchte ich euch schon jetzt danken und hoffe; dass ich euch hier im amphibienforum mit solchen anliegen nicht auf die nerven falle. aber ihr wisst ja sicher selbst, zur arbeitssuche muss man manchmal auch neue, unkonventionelle wege beschreiten. für all diejenigen unter euch; die in naher zukunft einmal in berlin sein werden möchte ich das angebot aussprechen; hier einmal eine gemeinsame exkursion durchzuführen; es gibt im stadtgebiet eine reihe von lohnenswerten amphibienhabitaten. also zögert nicht; euch bei mir zu melden; wenn ihr in die bundeshauptstadt kommen solltet. gruß; h. wagenfeld

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